Korrosion

MIC-Korrosion: Was mikrobiologisch beeinflusste Korrosion ist und wie Beschichtungen ihr entgegenwirken

May 07, 2026By MontiPower9 Min. Lesezeit

Mikrobiologisch beeinflusste Korrosion (MIC), auch mikrobielle Korrosion oder Biokorrosion genannt, ist Korrosion, die durch die Stoffwechselaktivität von Mikroorganismen ausgelöst oder beschleunigt wird. Sie ist kein eigener elektrochemischer Mechanismus. Bakterien und andere Mikroorganismen schaffen örtlich begrenzte chemische Milieus, die gewöhnliche Korrosionsprozesse – am häufigsten Lochkorrosion – auslösen oder beschleunigen, und zwar mit höheren Raten, als sie das umgebende Medium allein hervorrufen würde. Häufig zitierte Schätzungen schreiben rund 20 % der gesamten Korrosionskosten der MIC zu, was sie zu einem der wirtschaftlich bedeutsamen Korrosionsmechanismen in der industriellen Infrastruktur macht.

Dieser Artikel erklärt, welche Organismen MIC verursachen, wo sie auftritt, wie sie Stahl schädigt, wie sie nachgewiesen wird und was sie für die Auswahl der Beschichtung und die Oberflächenvorbereitung bedeutet. Er richtet sich an Korrosionsingenieure, Beschichtungsplaner und Verantwortliche für Anlagenintegrität.

Welche Mikroorganismen verursachen MIC in Stahlinfrastruktur?

MIC an Kohlenstoffstahl und anderen Eisenwerkstoffen wird vor allem mit drei Bakteriengruppen in Verbindung gebracht:

Sulfatreduzierende Bakterien (SRB)

SRB sind anaerobe Bakterien: Sie arbeiten unter Sauerstoffausschluss und nutzen Sulfationen (SO₄²⁻) als Elektronenakzeptor, wobei sie Sulfat zu Schwefelwasserstoff (H₂S) reduzieren. H₂S wirkt korrosiv auf Stahl, und das dadurch entstehende biogene Sulfidmilieu treibt aggressive örtliche Lochkorrosion an. SRB sind die am besten dokumentierten MIC-Organismen; eine Übersichtsarbeit schreibt ihnen fast die Hälfte der MIC-bezogenen Fälle zu. Sie finden sich in:

  • Pipeline-Innenräumen in Öl- und Gassystemen, in denen freies Wasser vorhanden ist
  • Unterwasserzonen von Offshore-Bauwerken und Meeresbodensedimenten
  • Ballastwassersystemen und Wasserinjektionssystemen
  • Wärmetauscher-Innenräumen und Kühlwassersystemen mit Biofouling
  • Außenflächen erdverlegter Pipelines in anaeroben Böden

Säurebildende Bakterien (APB)

APB sind aerobe oder fakultativ anaerobe Bakterien, die als Stoffwechselnebenprodukte organische Säuren (Essig-, Ameisen-, Milchsäure) bilden. Diese Säuren senken örtlich den pH-Wert an der Metalloberfläche und beschleunigen die Korrosion. APB wirken oft mit SRB zusammen: APB verbrauchen im Biofilm Sauerstoff und schaffen so die anaeroben Bedingungen, die SRB benötigen, und machen das örtliche Milieu zugleich aggressiver.

Eisenoxidierende Bakterien (IOB)

IOB sind aerobe Bakterien, die zweiwertiges Eisen (Fe²⁺) zu dreiwertigem Eisen (Fe³⁺) oxidieren und die freigesetzte Energie für ihren Stoffwechsel nutzen. Die von ihnen gebildeten Ablagerungen tragen zu Sauerstoffkonzentrationszellen bei, wobei sich die Korrosion unter den Ablagerungen konzentriert. IOB bilden über aktiven Korrosionsstellen voluminöse, rotbraune Tuberkel (Hügel aus Eisenoxiden und Bakterienbiomasse) – ein markantes visuelles Anzeichen für mögliche MIC.

Wo tritt MIC in Industrie- und Marineanlagen auf?

Anlage / OrtWichtigste MIC-OrganismenMaßgebliche Bedingungen für MIC
Innenräume von Öl- und GaspipelinesSRB, APBStehendes oder langsam fließendes Wasser, Sulfat im Lagerstättenwasser, anaerobe Bedingungen
Unterwasserzone von Offshore-BauwerkenSRB, IOBBiofilmbildung auf ungeschütztem Stahl; Sedimentansammlung am Fuß der Jacket-Beine
Ballasttanks (Schiffe)SRB, APBAngesammelter Schlamm, stehendes Ballastwasser, anaerobe Bedingungen am Tankboden
Wasserinjektionssysteme (Öl & Gas)SRB, APBSulfat im injizierten Meerwasser, Biofouling der Injektionsleitungen
Erdverlegte PipelinesSRBAnaerobe Tonböden, sulfatreiches Grundwasser, enthaftete Beschichtung, die den kathodischen Schutz abschirmt
KühlwassersystemeIOB, APB, SRBWarmes Wasser, Nährstoffe, versagende Biofouling-Kontrolle
TrinkwasserinfrastrukturIOB, APBZonen mit geringer Strömung, Stagnation, unzureichende Desinfektion
Prozessbehälter im BergbauAPB, SRBSaure Prozessmilieus, sulfatreiche Schlämme

Wie schädigt MIC Stahl?

MIC erzeugt Korrosion über mehrere Mechanismen, die innerhalb eines Biofilms oft gleichzeitig ablaufen:

  • Biogene H₂S-Bildung: Von SRB gebildetes H₂S reagiert mit Stahl zu Eisensulfid (FeS) als Korrosionsprodukt. FeS ist gegenüber Stahl kathodisch und bildet galvanische Elemente, die die Lochkorrosion des umgebenden Stahls beschleunigen.
  • Örtliche Ansäuerung: Organische Säuren der APB und die saure Chemie in aktiven Korrosionsnarben senken den örtlichen pH-Wert weit unter den des umgebenden Mediums und erhöhen die Auflösungsrate des Stahls.
  • Belüftungselemente: Biofilme und Ablagerungen behindern den Sauerstoffzutritt zum darunterliegenden Stahl und erzeugen Sauerstoffkonzentrationszellen, in denen der bedeckte Bereich anodisch und die offene Oberfläche kathodisch wird.
  • Elektronenaufnahme und kathodische Depolarisation: Nach der klassischen Theorie beschleunigen SRB die Korrosion, indem sie kathodischen Wasserstoff verbrauchen. Dies ist weiterhin umstritten. Aktuelle Übersichtsarbeiten unterscheiden Korrosion durch korrosive Stoffwechselprodukte (wie H₂S und Säuren) von Korrosion, bei der manche Mikroben Elektronen direkt von der Eisenoberfläche aufnehmen (extrazellulärer Elektronentransfer, EET-MIC).

Das praktische Ergebnis ist aggressive örtliche Lochkorrosion, oft mit charakteristischer Morphologie (unregelmäßige, unterhöhlte Narben mit schwarzen FeS-Ablagerungen bei SRB-bedingter MIC; von Tuberkeln bedeckte Narben, wo IOB aktiv sind), mit Raten, die über das hinausgehen, was das chemische Umgebungsmedium allein bewirken würde.

Wie wird MIC nachgewiesen und überwacht?

Die MIC-Diagnose verbindet mikrobiologische, chemische und korrosionstechnische Befunde. NACE TM0212 legt die Bedingungen fest, die erfüllt sein müssen, bevor MIC als Ursache innerer Korrosion bestätigt wird, denn das bloße Vorhandensein von Mikroorganismen beweist nicht, dass sie den Schaden verursacht haben.

  • Bakterienkulturen: Kulturverfahren mit Verdünnungsreihen nach der Most-Probable-Number-Methode (MPN) schätzen die SRB-, APB- und IOB-Populationen in Lagerstättenwasser, Prozesswasser und Biofilmproben. Nur ein Bruchteil der vorhandenen Organismen wächst in Kulturmedien; Kulturen bestätigen daher die Anwesenheit, messen aber keine Korrosionsrate.
  • Molekulare Methoden: qPCR (quantitative Polymerase-Kettenreaktion) identifiziert und quantifiziert bestimmte MIC-relevante Organismen in Wasser-, Feststoff- oder Biofilmproben. Sie erfasst lebende, inaktive und tote Zellen und wird zunehmend zur Überwachung in der Öl- und Gasförderung eingesetzt.
  • Korrosionsüberwachung: Korrosionscoupons, elektrische Widerstandssonden und Geräte zur Messung des linearen Polarisationswiderstands (LPR) liefern Daten zur Korrosionsrate; erhöhte Raten in MIC-gefährdeten Umgebungen untermauern die mikrobiologischen Befunde.
  • Ultraschallprüfung: Externe UT-Scans von Pipelineabschnitten und Behälterwänden erkennen örtlichen Wanddickenverlust, der mit MIC-Lochkorrosion übereinstimmt.

Wie wirken Schutzbeschichtungen gegen MIC?

Schutzbeschichtungen wirken gegen MIC vor allem als Barriere: Sie halten Mikroorganismen, Wasser und deren Stoffwechselprodukte von der Stahloberfläche fern. Eine fachgerecht applizierte, intakte Beschichtung mit guter Haftung auf korrekt vorbereitetem Stahl ist der wichtigste Schutz gegen abiotische wie mikrobielle Korrosion.

Wichtige Gesichtspunkte für Beschichtungssysteme in MIC-Umgebungen:

  • Die Geschlossenheit der Beschichtung ist entscheidend: Jede Fehlstelle, jede mechanische Beschädigung und jedes Haftungsversagen schafft eine Eintrittsstelle für Bakterien und ihre korrosiven Stoffwechselprodukte. MIC ist an Beschichtungsdefekten besonders aggressiv, weil eine enthaftete Beschichtung den abgeschirmten, nährstoffanreichernden Spalt bildet, den SRB bevorzugen. Für Auskleidungen mit Eintauchbelastung wird in der Regel eine Porenprüfung (Prüfung auf Fehlstellen), zum Beispiel nach NACE SP0188, spezifiziert.
  • Beständigkeit gegen H₂S und organische Säuren: Manche Standard-Epoxidformulierungen können in Umgebungen mit hohem H₂S-Gehalt erweichen oder abgebaut werden. Spezifizieren Sie Produkte, die der Hersteller für die erwartete Belastung geprüft und freigegeben hat.
  • Biozidbehandlung vor dem Beschichten: Wo sich Biofilm und MIC etabliert haben, ist eine Biozidbehandlung (zum Beispiel ein Biozid-Slug beim Molchen oder eine manuelle Reinigung mit Biozidlösung) vor der Oberflächenvorbereitung und Beschichtung gängige Praxis, um die aktive biologische Gemeinschaft zu reduzieren, bevor der Stahl versiegelt wird.
  • Qualität der Oberflächenvorbereitung: Biofilmrückstände und MIC-Korrosionsprodukte müssen vor dem Beschichten physisch entfernt werden. Hochleistungs-Auskleidungen für Eintauchbelastung werden typischerweise auf SSPC-SP 10 / Sa 2½ oder besser spezifiziert; den Grad legt das Datenblatt der Beschichtung fest. Eine Prüfung auf lösliche Salze nach der Vorbereitung ist unerlässlich, weil MIC-Korrosionsprodukte Sulfide, Chloride und Sulfate enthalten können, die unter den Grenzwerten der Spezifikation liegen müssen.

Wie sollte MIC-geschädigter Stahl für die Beschichtung vorbereitet werden?

Stahl mit ausgeprägten MIC-Schäden stellt bei der Oberflächenvorbereitung ähnliche Anforderungen wie Stahl mit aggressiver Chlorid-Lochkorrosion, weil in beiden Fällen Lochfraß die vorherrschende Schadensform ist. Siehe Lochkorrosion und Oberflächenvorbereitung. Das Vorgehen:

  1. Biozidbehandlung: Biozidlösung auftragen, um aktive Bakterien vor der mechanischen Vorbereitung abzutöten, damit lebensfähige Bakterien bei der Vorbereitung nicht verteilt werden.
  2. Grobabtrag der MIC-Ablagerungen: Eisensulfidablagerungen, Tuberkel und Korrosionskrusten müssen vor der Endvorbereitung entfernt werden. Die rotierende Tercoo®-Scheibe eignet sich für den mechanischen Abtrag starker Korrosionsablagerungen bei Instandhaltungsarbeiten.
  3. Strahlen oder mechanische Vorbereitung auf den Zielgrad: üblicherweise SSPC-SP 10 / Sa 2½ für Korrosionsschutz-Beschichtungssysteme und SP 5 / Sa 3 für thermisches Spritzen, je nach Spezifikation. Wo Strahlen nicht möglich ist, kann ein schlagendes Werkzeug wie der Bristle Blaster® eine mit Sa 2½ vergleichbare Reinheit mit Rauheitsprofil erzeugen; die Fallstudie zur Zwei-Schritt-Methode zeigt den Grobabtrag mit Tercoo® und die anschließende Profilierung. Tiefe Narben sind für jedes Maschinenwerkzeug die schwierigsten Stellen – prüfen Sie daher den Narbengrund sorgfältig.
  4. Prüfung auf lösliche Salze: Sulfide, Chloride und Sulfate in MIC-geschädigtem Stahl müssen vor dem Beschichten unter den Grenzwerten der Spezifikation liegen. Bei Bedarf mit Wasser waschen und erneut prüfen. Siehe Kontamination durch lösliche Salze und Beschichtungsversagen.
  5. Zügig beschichten: Blanker Stahl in einem MIC-aktiven System kann neu besiedelt werden und bildet Flugrost. Grundieren Sie so bald wie möglich, nachdem die Oberflächenvorbereitung abgeschlossen und abgenommen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • MIC ist Korrosion, die durch die Stoffwechselaktivität von Mikroorganismen ausgelöst oder beschleunigt wird, vor allem durch sulfatreduzierende Bakterien (SRB), säurebildende Bakterien (APB) und eisenoxidierende Bakterien (IOB). Häufig zitierte Schätzungen beziffern ihren Anteil an den gesamten Korrosionskosten auf rund 20 %.
  • MIC verursacht aggressive örtliche Lochkorrosion mit charakteristischer Morphologie (schwarze FeS-Ablagerungen bei SRB, Tuberkel bei IOB) mit höheren Raten, als sie das Umgebungsmedium allein hervorrufen würde.
  • Bakterien in einer Probe beweisen noch keine MIC; die Diagnose verbindet mikrobiologische, chemische und korrosionstechnische Befunde (NACE TM0212).
  • Schutzbeschichtungen wirken gegen MIC als Barriere. Die Geschlossenheit der Beschichtung ist entscheidend: Jede Enthaftung und jede Fehlstelle schafft den abgeschirmten, nährstoffreichen Spalt, den SRB bevorzugen.
  • Die Vorbereitung von MIC-geschädigtem Stahl umfasst Biozidbehandlung, Entfernung der MIC-Ablagerungen (Tercoo® eignet sich für Instandhaltungsarbeiten), Vorbereitung auf den spezifizierten Grad, Prüfung auf lösliche Salze und zügiges Grundieren.

Häufig gestellte Fragen

Welche Bakterien verursachen mikrobiologisch beeinflusste Korrosion?

Die wichtigsten Gruppen auf Stahl sind sulfatreduzierende Bakterien (SRB), die Schwefelwasserstoff bilden, säurebildende Bakterien (APB), die den örtlichen pH-Wert senken, und eisenoxidierende Bakterien (IOB), die Tuberkel über Korrosionsstellen bilden. Sie wirken meist gemeinsam in einem Biofilm, in dem APB Sauerstoff verbrauchen und die anaeroben Bedingungen schaffen, die SRB benötigen.

Wie bestätigt man, dass es sich um MIC handelt?

Der Nachweis von Bakterien reicht nicht aus, denn Mikroorganismen sind in den meisten Wassersystemen vorhanden. NACE TM0212 verlangt mehrere Belege: mikrobiologische Untersuchungen (Kultur oder qPCR), chemische Analysen von Ablagerungen und Medien sowie Korrosionsdaten oder eine Narbenmorphologie, die zu mikrobieller Aktivität passt. Zusammen zeigen sie, dass die Organismen den Schaden verursacht haben.

Können Beschichtungen MIC verhindern?

Ja, eine intakte, gut haftende Beschichtung verhindert MIC, indem sie Mikroorganismen und ihre Stoffwechselprodukte vom Stahl fernhält. Die Schwachstellen sind Fehlstellen, mechanische Beschädigungen und enthaftete Bereiche, die abgeschirmte Spalten bilden, in denen SRB gedeihen. Gute Oberflächenvorbereitung, Porenprüfung und die zügige Reparatur von Defekten sorgen dafür, dass die Barriere funktioniert.

Welche Oberflächenvorbereitung braucht MIC-geschädigter Stahl?

Aktive Bakterien mit Biozid abtöten, Eisensulfidablagerungen und Tuberkel entfernen und dann auf den im Datenblatt der Beschichtung angegebenen Grad vorbereiten, für Auskleidungen mit Eintauchbelastung üblicherweise SSPC-SP 10 / Sa 2½. Auf lösliche Salze prüfen, bei Überschreitung des Grenzwerts waschen und erneut prüfen und zügig grundieren, um Flugrost und Neubesiedlung zu vermeiden.

Quellen

  1. R. Amendola, A. Acharjee, Microbiologically Influenced Corrosion of Copper and Its Alloys in Anaerobic Aqueous Environments: A Review, Frontiers in Microbiology (2022). Zitiert für die Kostenschätzung von ca. 20 %, den SRB-Anteil an den Fällen und die Einteilung in metabolitbedingte und elektronentransferbedingte MIC. frontiersin.org
  2. Materials Performance (AMPP), Diagnosing Microbiologically Influenced Corrosion in a Pipeline (2014), zu NACE TM0212, Kultur- und qPCR-Verfahren. materialsperformance.com
  3. Corrosion Alliance, Principles of Corrosion. corrosionalliance.com
  4. KTA-Tator, Industry Standards for Surface Preparation. kta.com
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