Walzhaut

Walzzunder von Stahl entfernen: Werkzeuge, Methoden und Spezifikationen

May 06, 2026By MontiPower17 Min. Lesezeit

Walzhaut ist eine der häufigsten Ursachen für das vorzeitige Versagen von Beschichtungssystemen. Sie sieht sauber aus — die glatte, bläulich-graue Schicht auf warmgewalztem Stahl besteht oft eine flüchtige Sichtprüfung. Doch sie ist elektrochemisch unverträglich mit dem darunterliegenden Stahl und mechanisch ein unzuverlässiger Untergrund für die darüberliegende Beschichtung, und jeder Oberflächenvorbereitungsgrad auf blankes Metall verlangt ihre Entfernung. Dieser Artikel erklärt, was Walzhaut ist, warum sie entfernt werden muss, welche Normen gelten, welche Entfernungsmethoden funktionieren und wie das Ergebnis geprüft wird — einschließlich strahlmittelfreier Optionen für Standorte, an denen Strahlen mit Strahlmittel nicht möglich ist.

Was ist Walzhaut?

Walzhaut (auch Walzzunder) ist eine geschichtete Eisenoxidschicht, die sich beim Warmwalzen auf der Stahloberfläche bildet. Sie besteht aus drei Eisenoxidphasen — Wüstit (FeO), Magnetit (Fe₃O₄) und Hämatit (Fe₂O₃). Sie ist härter als der darunterliegende Stahl, spröde und gegenüber dem Grundwerkstoff elektrochemisch kathodisch; deshalb treibt sie Korrosion und Beschichtungsversagen voran, wenn sie auf der Oberfläche verbleibt.

Wie Walzhaut entsteht

Wird Stahl in einem Warmwalzwerk bei Temperaturen über 700 °C verarbeitet, reagiert die Oberfläche mit dem Sauerstoff der Atmosphäre und bildet eine geschichtete Oxidkruste. Die äußerste Schicht ist Hämatit (Fe₂O₃), darunter liegt Magnetit (Fe₃O₄) und unmittelbar am Stahlsubstrat Wüstit (FeO). Diese Schichtstruktur bildet sich schnell und haftet fest auf frisch gewalztem Stahl — so fest, dass sie Transport, Lagerung und Handhabung ohne erkennbare Ablösung übersteht.

Warum Walzhaut ein Problem für Beschichtungen ist

Walzhaut verursacht Beschichtungsversagen über drei Mechanismen, die gleichzeitig wirken, sobald eine Beschichtung auf intakte Walzhaut aufgebracht wird.

  • Galvanische Korrosion. Walzhaut ist gegenüber dem Stahl, auf dem sie sitzt, kathodisch. Wo die Walzhaut unterbrochen ist — gerissen, abgeplatzt oder porös —, wird der freiliegende Stahl zur Anode eines galvanischen Elements. Die Korrosion konzentriert sich an diesen Stellen und breitet sich seitlich unter der Beschichtung aus; es kommt zu Blasenbildung und Enthaftung, die weit über den ursprünglichen Fehler hinausreichen.
  • Schlechte Haftung. Walzhaut hat einen anderen Wärmeausdehnungskoeffizienten als das Stahlsubstrat. Temperaturwechsel verursachen unterschiedliche Bewegungen, die den Verbund zwischen Walzhaut und Stahl aufbrechen — und die Beschichtung mitreißen. Selbst wenn die erste Haftprüfung bestanden wird, haben Beschichtungssysteme auf Walzhaut in Umgebungen mit Temperaturwechseln meist eine deutlich kürzere Lebensdauer.
  • Eingeschlossene lösliche Salze. Gerissene und poröse Walzhaut schließt Feuchtigkeit und Verunreinigungen ein. Chloride und Sulfate sammeln sich während Lagerung, Transport und Freibewitterung darunter und darin an. Wird eine Beschichtung auf verunreinigte Walzhaut aufgebracht, werden diese Salze eingeschlossen, und osmotische Blasenbildung kann folgen. Die verlässliche Abhilfe ist die Entfernung der Walzhaut, gefolgt von einer Prüfung auf Salzverunreinigung nach SSPC-Guide 15 oder ISO 8502-6 / ISO 8502-9, wo die Spezifikation dies verlangt.

Welche Normen verlangen die Entfernung von Walzhaut?

Alle wichtigen internationalen Normen zur Oberflächenvorbereitung behandeln Walzhaut. Der geforderte Entfernungsgrad ist je nach Norm unterschiedlich — und damit je nach Beschichtungsspezifikation und Einsatzumgebung. Die Strahlgrade (SP 5, SP 10, SP 6) und die maschinellen Reinigungsgrade auf blankes Metall (SP 11, SP 15) verlangen die Entfernung aller sichtbaren Walzhaut; die Grade der Hand- und maschinellen Reinigung (SP 2, SP 3) nicht.

Norm Entsprechung Anforderung an Walzhaut Typische Anwendung
SSPC-SP 5 / NACE No. 1 ISO 8501-1 Sa 3 Frei von jeglicher sichtbarer Walzhaut, Rost, Beschichtung und Fremdstoffen; keine Verfärbungen Immersion, raue Offshore-Bedingungen, Rohrleitungsinnenflächen
SSPC-SP 10 / NACE No. 2 ISO 8501-1 Sa 2½ Alle sichtbare Walzhaut entfernt; leichte Verfärbungen auf höchstens 5 % jeder Flächeneinheit zulässig Offshore-Topside, Industrie, Energieinfrastruktur
SSPC-SP 6 / NACE No. 3 ISO 8501-1 Sa 2 Alle sichtbare Walzhaut entfernt; Verfärbungen auf bis zu 33 % jeder Flächeneinheit zulässig Mäßig beanspruchte Einsatzumgebungen
SSPC-SP 11 — (maschinell, blankes Metall) Alle Walzhaut, Rost und Farbe entfernt, außer am Grund von Narben; Mindestprofil 25 µm (1 mil) Instandhaltung und Reparatur, wo Strahlen nicht praktikabel ist
SSPC-SP 3 ISO 8501-1 St 3 Lose Walzhaut entfernt; fest haftende Walzhaut darf verbleiben Instandhaltung bei geringer Belastung, unkritische Flächen
SSPC-SP 2 ISO 8501-1 St 2 Lose Walzhaut entfernt; fest haftende Walzhaut darf verbleiben Nur temporärer Schutz

Für Beschichtungssysteme in Offshore-, Energie- oder Marineprojekten ist SSPC-SP 10 / Sa 2½ häufig die Mindestanforderung an die Oberflächenvorbereitung — prüfen Sie stets das technische Datenblatt der Beschichtung und die Projektspezifikation. SSPC-SP 5 / Sa 3 wird üblicherweise dort spezifiziert, wo vollständige Immersion oder dauerhafte Belastung in der Spritzwasserzone zu erwarten ist.

Sie spezifizieren die Oberflächenvorbereitung für ein Projekt? Senden Sie uns das Datenblatt der Beschichtung und den Zustand des Untergrunds, und ein Spezialist sagt Ihnen, welcher Vorbereitungsgrad und welche Methode an Ihrem Standort realistisch sind. → Methodenempfehlung anfordern

Methoden zur Entfernung von Walzhaut von Stahl

Die Walzzunderentfernung lässt sich in vier große Methodengruppen einteilen: Strahlen mit Strahlmittel, chemische Behandlung, thermische Verfahren und mechanische Verfahren. Jede bringt Kompromisse bei Leistung, Kosten, Mobilität und Einhaltung von Vorschriften mit sich. Die richtige Wahl hängt von der Umgebung vor Ort, dem geforderten Oberflächenvorbereitungsgrad, der verfügbaren Infrastruktur und davon ab, ob es sich um eine Neubaufertigung oder um Instandhaltung im laufenden Betrieb handelt.

Strahlen mit Strahlmittel (Grit, Stahlkies, Sand)

Das Strahlen mit Strahlmittel — Grit, Stahlschrot oder andere Strahlmittel werden mit hoher Geschwindigkeit auf die Stahloberfläche beschleunigt — bleibt der Maßstab für die großflächige Walzzunderentfernung in der Neubaufertigung. Es erreicht auf großen zusammenhängenden Flächen zuverlässig SSPC-SP 10 und SP 5 und erzeugt das Rauheitsprofil, das dickschichtige Epoxid- und thermische Spritzsysteme benötigen. Es eignet sich jedoch nicht für jede Umgebung und jeden Arbeitsumfang.

  • Wo es gut funktioniert: Strahlhallen und Strahlplätze für die Stahlbaufertigung; Schiffsneubau; großflächige Vorbereitung von Stahlkonstruktionen, wo eine Einhausung praktikabel ist.
  • Wo es an Grenzen stößt: ATEX-klassifizierte Bereiche in Anlagen im Betrieb, in denen Strahlen durch die Zündgefahrenbeurteilung und das Erlaubnisscheinverfahren des Standorts oft eingeschränkt ist; Anlagen im Betrieb, bei denen eine Einhausung nicht praktikabel ist; enge Räume; Punktreparaturen, bei denen die Mobilisierung der Strahlausrüstung mehr kostet, als die Fläche rechtfertigt; und Arbeiten, bei denen verbrauchtes Strahlmittel, vermischt mit blei- oder chromathaltiger Beschichtung, zu gefährlichem Abfall wird.

Chemisches Beizen und Säurebehandlung

Beim Beizen wird Walzhaut durch Eintauchen in oder Auftragen von Säuren gelöst — typischerweise Salz- oder Schwefelsäure, bei leichterer Verunreinigung manchmal Phosphorsäure. Es ist in der Rohr- und Bandverarbeitung weit verbreitet, wo das vollständige Eintauchen in ein kontrolliertes Bad praktikabel ist.

  • Wo es gut funktioniert: Rohrwerke, Bandanlagen und kontrollierte Fertigungsbetriebe mit Säurebad-Infrastruktur und Abwasserbehandlung.
  • Wo es an Grenzen stößt: Feldeinsätze; Instandhaltung im laufenden Betrieb; große Bauteile, die nicht eingetaucht werden können; Standorte, an denen der Umgang mit Säure und verbrauchter Säure regulatorisch problematisch ist (in den USA ist verbrauchte Beizlauge aus der Stahlveredelung ein gelisteter gefährlicher Abfall, K062). Beizen hinterlässt kein Rauheitsprofil und bringt bei hochfesten Stählen das Risiko der Wasserstoffversprödung mit sich, was seinen Einsatz an tragenden Bauteilen unter Ermüdungsbeanspruchung einschränkt.

Flammstrahlen

Beim Flammstrahlen wird die Stahloberfläche mit einem Mehrflammenbrenner schnell erhitzt. Die unterschiedliche Wärmeausdehnung von Walzhaut und Stahl lässt die Walzhaut reißen und abplatzen; die gelockerte Walzhaut wird anschließend mit der Drahtbürste entfernt. Das Verfahren entfernt die Walzhaut nur teilweise, erzeugt kein Rauheitsprofil und erreicht für sich allein keinen Grad für blankes Metall oder Strahlreinigung. Es wurde weitgehend durch mechanische Verfahren ersetzt.

  • Wo es gut funktioniert: Vorbehandlung von Baustahl vor der Fertigung, wo Heißarbeiten mit offener Flamme erlaubt sind und Walzhautreste nach Spezifikation zulässig sind.
  • Wo es an Grenzen stößt: ATEX-Umgebungen; Bereiche ohne Heißarbeiten; jede Spezifikation, die eine Sauberkeit nach Art von SP 10 oder ein gemessenes Profil ohne nachfolgendes Strahlen oder mechanisches Aufrauen verlangt; dünnwandige Profile mit Verzugsgefahr.

Mechanische Verfahren: Nadelentroster, Drahtbürsten, Winkelschleifer, Bürstenwerkzeuge

Mechanische Verfahren entfernen Walzhaut durch physischen Aufprall oder Abrieb. Sie reichen von einfachen Handwerkzeugen bis zu spezialisierten Maschinenwerkzeugen, und die Leistung variiert stark. Der Aufprall ist entscheidend: Walzhaut ist ein sprödes Oxid auf einem duktilen Stahl, daher bricht ein scharfer Schlag sie auf und schleudert sie ab, während Reiben sie eher poliert. Eine Handdrahtbürste erreicht bestenfalls St 2; ein Bristle Blaster® erzielt in dokumentierten Tests eine Sauberkeit vergleichbar mit Sa 2½ (bis Sa 3) mit einem kontrollierten Rauheitsprofil.

Werkzeug Typische Obergrenze Rauheitsprofil Hinweise
Drahtbürste (Hand) SSPC-SP 2 / St 2 Keines erzeugt Entfernt nur lose Walzhaut; fest haftende Walzhaut bleibt
Maschinelle Drahtbürste SSPC-SP 3 / St 3 Keines erzeugt; kann ein vorhandenes Profil verschlechtern Poliert fest haftende Walzhaut eher, als sie zu entfernen
Nadelentroster / Abklopfgerät SSPC-SP 11 möglich, wenn das Profil nachgewiesen wird Unregelmäßig; muss gemessen werden Wirksam bei starker Korrosion, an Kanten und bei Schweißspritzern; geringe Flächenleistung
Winkelschleifer (Scheibe) Blankes Metall, mit Materialabtrag Flach und gerichtet; schwer zu kontrollieren Schleifspuren verlaufen in eine Richtung; leicht entstehen Vertiefungen
Fächerscheibe / Fiberscheibe Blankes Metall auf Teilflächen; Profil oft unterhalb der Spezifikation 30–40 µm in Werftversuchen gemessen Geeignet zum Auslaufenlassen von Kanten und für mittlere Vorbereitung; kein Ersatz für einen Strahlgrad
Bristle Blaster® SSPC-SP 11; Sauberkeit vergleichbar mit Sa 2½ / SSPC-SP 10 (bis Sa 3) in dokumentierten Tests 65–85 µm Rz auf Standardstahl; bis 120 µm Rz Pneumatische Version ATEX-bewertet für Zone 1 Gas und Zone 21 Staub

Der Bristle Blaster®: mechanische Walzzunderentfernung vergleichbar mit SP 10

Der Bristle Blaster® ist ein rotierendes Schlagwerkzeug, das Walzhaut, Rost und vorhandene Beschichtung entfernt und im selben Arbeitsgang ein Rauheitsprofil erzeugt — ohne Strahlmittel. In dokumentierten Tests erzielt er eine Sauberkeit vergleichbar mit SSPC-SP 10 / Sa 2½ (bis Sa 3); die Ergebnisse im Einzelfall hängen von Stahlsorte, Rostgrad, Band und Arbeitstechnik ab.

Wie er Walzhaut entfernt

Der Bristle Blaster® arbeitet anders als eine Drahtbürste. Die gehärteten, nach vorn abgewinkelten Drahtspitzen des rotierenden Bandes werden von einer Beschleunigerleiste zurückgehalten und dann freigegeben, sodass sie mit hoher Geschwindigkeit auf das Substrat treffen und zurückfedern, statt darüber zu reiben. Jeder Aufprall bricht die Walzhaut auf und schleudert sie ab, verfestigt die Oberfläche durch Kaltverformung und hinterlässt einen kleinen Krater — daraus entsteht das Rauheitsprofil. Der Mechanismus wurde in NACE-Forschungsarbeiten von Prof. Robert J. Stango (Marquette University) beschrieben; seine Veröffentlichung von 2014 zum Bristle Blasting berichtete über Druckeigenspannungen in der oberflächennahen Schicht — ein Kennzeichen eines Schlagmechanismus, nicht von Abrieb.

Profil und Sauberkeit: was Sie erwarten können

Dokumentierte Ergebnisse auf Standard-Pipelinestahl API 5L:

  • Sauberkeit: vergleichbar mit SSPC-SP 10 / Sa 2½; mit zusätzlichen Durchgängen vergleichbar mit Sa 3
  • Rauheitsprofil: 65–85 µm Rz (2,6–3,3 mil) mit dem Standardband; maximal bis 120 µm Rz
  • Flächenleistung: etwa 1,1 m²/h mit einem einzelnen Band (Rohr API 5L X42, Rostgrad B); rund 3 m²/h auf ebenen Flächen mit den Double-Modellen
  • Profilmessung: ASTM D4417 Methode C mit Testex Press-O-Film® X-Coarse Replika-Band (Messbereich 38–115 µm / 1,5–4,5 mil); den 50,8 µm (2 mil) dicken Mylar-Träger vom Messschraubenwert abziehen

Wo er spezifiziert wird

Der Bristle Blaster® wird zur Entfernung von Walzhaut und Korrosion in Energieinfrastruktur, auf Offshore-Plattformen, an Pipelines und in der industriellen Instandhaltung eingesetzt — dokumentierte Fallstudien von MontiPower® umfassen ein Schweißnahtprojekt für Shell und die Feldnahtbeschichtung für Total E&P in Bolivien. Er wird typischerweise für Instandhaltungsarbeiten im laufenden Betrieb gewählt, wo Strahlen mit Strahlmittel nicht verfügbar, nicht zulässig oder nicht wirtschaftlich ist.

ATEX-Bewertung

Der Bristle Blaster® Pneumatic hat eine ATEX-Konformitätsbewertung nach 2014/34/EU als Gerät der Kategorie 2 für Zone 1 (explosionsfähige Gasatmosphäre) und Zone 21 (explosionsfähige Staubatmosphäre) durchlaufen; die Kennzeichnung (II 2G c IIA T4 X) gilt für bestimmte Bristle Blaster® Bänder in Verbindung mit der originalen pneumatischen Antriebseinheit. Er ist vollpneumatisch ohne elektrische Bauteile, sodass die Oberflächenvorbereitung auf Raffinerien, Plattformen und petrochemischen Anlagen fortgesetzt werden kann, auf denen elektrische Werkzeuge ausgeschlossen sind. Die ATEX-Bewertung ersetzt nicht die Arbeitserlaubnis des Standorts: Ob in einem klassifizierten Bereich gearbeitet werden darf, entscheiden Zoneneinteilung, Gefährdungsbeurteilung und Erlaubnisscheinverfahren des Betreibers.

Sauberkeit vergleichbar mit SP 10 ohne Strahlen. In dokumentierten Tests erzielt der Bristle Blaster® eine Sauberkeit vergleichbar mit SSPC-SP 10 / Sa 2½ bei einem Rauheitsprofil von 65–85 µm Rz — ohne lose Strahlmittel oder Strahleinhausung und in einer ATEX-bewerteten pneumatischen Version für explosionsgefährdete Bereiche.

Starke Walzhaut oder Walzhaut mit Rost entfernen: die Zwei-Schritt-Methode

Auf Stahl mit starker Korrosion und dicker Walzhaut — typisch bei gelagertem Baustahl, gealterten Rohren oder teilweise behandelten und liegengelassenen Flächen — kann ein Vorgehen in einem Arbeitsgang mit dem Bristle Blaster® mehrere Durchgänge oder längere Bearbeitungszeit erfordern. Die Zwei-Schritt-Methode von MontiPower löst dies mit einem eigenen Werkzeug zur Vorbehandlung.

Schritt 1: Tercoo® — Entfernung starker Korrosion und Beschichtung

Der Tercoo® ist eine Hartmetall-Stiftscheibe, die auf derselben Antriebseinheit wie der Bristle Blaster® läuft. Er ist für die schnelle Entfernung von starkem Rost, Schichtrost und alter Beschichtung ausgelegt — Material, das ein Bristle Blaster® Band sonst zusetzen oder verlangsamen würde. Die Tercoo® Scheibe entfernt grobe Verunreinigungen, ohne nennenswerte Wärme zu erzeugen oder das Substrat zu verziehen.

Schritt 2: Bristle Blaster® — Reinigen und Profilieren

Sobald der Tercoo® die groben Verunreinigungen beseitigt hat, wechselt der Anwender zum Bristle Blaster® Band auf derselben Antriebseinheit. Der Bristle Blaster® bringt die Oberfläche dann auf eine Sauberkeit vergleichbar mit SP 10 mit kontrolliertem Rauheitsprofil. Zusammen decken die beiden Schritte die Bandbreite an Walzhaut- und Rostzuständen ab, die in der Praxis typischerweise vorkommen — ohne Strahlmittel und ohne zusätzliche Mobilisierung.

Die richtige Methode zur Walzzunderentfernung wählen

Bedingung / Einschränkung vor Ort Empfohlene Methode Hinweise
Neubaufertigung, Strahlhalle verfügbar, SP 10 oder SP 5 gefordert Strahlen mit Strahlmittel Am effizientesten für große zusammenhängende Flächen in kontrollierter Umgebung
ATEX Zone 1 / Zone 21 in einer Anlage im Betrieb Bristle Blaster® Pneumatic (ATEX-bewertet) Vollpneumatisch; vorbehaltlich der Arbeitserlaubnis und Gefährdungsbeurteilung des Standorts
Instandhaltung im laufenden Betrieb, Punktreparatur, keine Strahleinhausung Bristle Blaster® Keine Einhausung und kein Strahlmittelabfall; Sauberkeit vergleichbar mit SP 10 in dokumentierten Tests
Enger Raum — begrenzte Belüftung Bristle Blaster® (elektrisch, akku- oder druckluftbetrieben) Keine Strahlmittelstaubwolke; abgetragene Walzhaut und Rost erzeugen dennoch Staub — Absaugung und Atemschutz verwenden
Starker Rost und Walzhaut kombiniert Zwei-Schritt-Methode: Tercoo® + Bristle Blaster® Schneller Werkzeugwechsel; dieselbe Antriebseinheit
Rohr oder Band in einem kontrollierten Fertigungsbetrieb Chemisches Beizen Effizient für kontinuierliche Produktionslinien; nicht für den Feldeinsatz; kein Profil
Größere ebene Flächen aus neuem Baustahl, Oberfläche nach Art von SP 10 gefordert, Strahlen nicht verfügbar Bristle Blaster® Double (rund 3 m²/h auf ebenen Flächen) Höhere Flächenleistung ohne Strahlinfrastruktur
Temporärer Schutz, fest haftende Walzhaut zulässig (SP 2 / St 2) Hand- oder maschinelle Drahtbürste Nicht geeignet für Beschichtungen mit Garantieanforderungen oder Hochleistungssysteme

Walzzunderentfernung nachweisen: Prüfmethoden

Nach Abschluss der Walzzunderentfernung werden vor dem Beschichten zwei Parameter geprüft: Oberflächenreinheit und Rauheitsprofil. Die Reinheit wird durch den SSPC/NACE- oder ISO-Grad definiert; das Mindestprofil wird durch SSPC-SP 11 (für maschinelle Reinigung auf blankes Metall), das Datenblatt der Beschichtung oder die Projektspezifikation festgelegt.

Prüfung der Reinheit

Die Reinheit wird visuell anhand der fotografischen Vergleichsmuster nach ISO 8501-1 (für die Rostgrade A–D) oder SSPC-VIS 1 beurteilt. Für ein Ergebnis nach SP 10 / Sa 2½ muss die Oberfläche dem Vergleichsmuster entsprechen, mit Verfärbungen auf höchstens 5 % jeder Flächeneinheit. Unter Streiflicht sollte die Oberfläche eine gleichmäßig matte Textur zeigen, ohne verbleibende blaugraue Walzhaut außerhalb der Narbengründe. Ein Profil unterhalb des spezifizierten Mindestwerts auf walzhautbehaftetem Stahl deutet darauf hin, dass die Walzhaut poliert statt entfernt wurde.

Messung des Rauheitsprofils

Das Rauheitsprofil wird nach ASTM D4417 gemessen — Methode B (Tiefenmessgerät) oder Methode C (Replika-Band). Methode C mit Testex Press-O-Film® Replika-Band ist zur Prüfung und Dokumentation auf Baustellen weit verbreitet.

Vorgehen nach Methode C:

  • Für mit dem Bristle Blaster® vorbereitete Oberflächen Band der Sorte X-Coarse wählen (Messbereich 38–115 µm / 1,5–4,5 mil)
  • Band auf die vorbereitete Oberfläche aufbringen und mit dem im Set enthaltenen Werkzeug anreiben, bis der komprimierbare Schaum gleichmäßig dunkel ist
  • Banddicke mit einer kalibrierten, federbelasteten Messschraube messen
  • Die Dicke des Mylar-Trägers (50,8 µm / 2 mil) vom Messwert abziehen, um das Oberflächenprofil (Spitze-Tal-Höhe) zu erhalten
  • Die von der Spezifikation geforderte Anzahl an Messungen je repräsentativer Fläche durchführen; Mittelwert und Spannweite protokollieren

Bei mit dem Bristle Blaster® vorbereitetem API-5L-Stahl sind Messschraubenwerte von etwa 116–136 µm zu erwarten, was nach Abzug des Trägers einem Profil von 65–85 µm entspricht.

Prüfung auf lösliche Salze

Nach der Walzzunderentfernung empfiehlt sich eine Prüfung auf lösliche Salze an jeder Oberfläche, die maritimer, Offshore- oder industrieller atmosphärischer Verunreinigung ausgesetzt war. Verwenden Sie das Bresle-Verfahren mit Leitfähigkeitsmessung (ISO 8502-6 / ISO 8502-9, SSPC-Guide 15) oder ein gleichwertiges Verfahren. Der Geschäftsbereich M-TESTCO von MontiPower liefert Prüf- und Inspektionsgeräte zum Nachweis der Oberflächenvorbereitung vor Ort. Die Grenzwerte legt die Beschichtungsspezifikation fest; viele Marine- und Offshore-Spezifikationen verwenden Grenzwerte im Bereich von 20 mg/m² (2 µg/cm²), manche sind strenger — klären Sie den Wert vor der Prüfung.

Häufig gestellte Fragen

Kann man auf Walzhaut streichen?

Sie können Farbe auf Walzhaut auftragen, doch Beschichtungen auf intakter Walzhaut haben meist eine deutlich kürzere Lebensdauer. Walzhaut ist gegenüber dem Stahl kathodisch; wo immer sie reißt oder abplatzt, konzentriert sich die Korrosion unter der Beschichtung. Die meisten Datenblätter für Schutzbeschichtungssysteme verlangen die Entfernung der Walzhaut, typischerweise nach SSPC-SP 10 / Sa 2½ oder SSPC-SP 11, und Garantien setzen in der Regel die Einhaltung der spezifizierten Vorbereitung voraus.

Entfernt eine Drahtbürste Walzhaut?

Eine Handdrahtbürste entfernt nur lose und teilweise abgelöste Walzhaut und erreicht bestenfalls SSPC-SP 2 (St 2). Fest haftende Walzhaut auf neuem warmgewalztem Stahl bleibt bestehen, und maschinelles Drahtbürsten (SSPC-SP 3 / St 3) poliert sie eher, als sie zu entfernen. Für einen Grad auf blankes Metall oder ein Ergebnis vergleichbar mit SP 10 verwenden Sie ein schlagendes Werkzeug wie beim Bristle Blasting oder das Strahlen mit Strahlmittel.

Was ist der Unterschied zwischen Walzhaut und Rost?

Walzhaut entsteht bei der Herstellung unter hoher Temperatur als dichtes, geschichtetes Eisenoxid: blaugrau, härter als der Stahl und auf neuem Material fest haftend. Rost entsteht danach durch elektrochemische Korrosion in Gegenwart von Feuchtigkeit und Sauerstoff; er ist braun-orange, porös und weniger fest. Auf gealtertem Stahl treten beide gemeinsam auf, oft mit Rost unter gerissener Walzhaut — genau der Fall, für den die Zwei-Schritt-Methode (erst Tercoo®, dann Bristle Blaster®) gedacht ist.

Wie hart ist Walzhaut?

Die Oxide der Walzhaut, insbesondere Magnetit, sind erheblich härter als unlegierter Baustahl wie S235 oder A36, und die Walzhaut ist spröde, während der Stahl duktil ist. Deshalb polieren reibende Werkzeuge Walzhaut eher, statt sie zu entfernen, und deshalb entfernen schlagende Verfahren, die das spröde Oxid aufbrechen und abschleudern, sie zuverlässiger.

Muss Walzhaut vor dem Schweißen entfernt werden?

Schweißnormen und -verfahren verlangen in der Regel, dass Schweißflanken frei von loser oder dicker Walzhaut, Rost, Öl, Feuchtigkeit und anderen Verunreinigungen sind, die Poren und Einschlüsse verursachen; wie viel fest haftende Walzhaut verbleiben darf, hängt von der Norm und der Schweißanweisung ab. Schleifen ist die übliche Methode vor dem Schweißen. Der Bristle Blaster® wird hauptsächlich nach dem Schweißen eingesetzt, um Schweißnähte und Wärmeeinflusszonen für die Beschichtung vorzubereiten.

Lässt sich Walzhaut ohne Sandstrahlen entfernen?

Ja. Bristle Blasting entfernt fest haftende Walzhaut ohne Strahlmittel und erzielt in dokumentierten Tests eine Sauberkeit vergleichbar mit SSPC-SP 10 / Sa 2½ bei einem Profil von 65–85 µm Rz. Es wird dort eingesetzt, wo eine Strahleinhausung nicht praktikabel ist: bei Punktreparaturen, in engen Räumen, bei der Instandhaltung im laufenden Betrieb und — mit dem ATEX-bewerteten Bristle Blaster® Pneumatic — in klassifizierten Bereichen, vorbehaltlich der Arbeitserlaubnis des Standorts.

Wie lange dauert die Walzzunderentfernung?

Mit einem Bristle Blaster® mit einem Band liegt eine dokumentierte Flächenleistung bei etwa 1,1 m² pro Stunde auf Rohr API 5L X42; die Double-Modelle erreichen auf ebenen Flächen rund 3 m² pro Stunde. Die tatsächliche Leistung hängt vom Zustand des Stahls, der Walzhaut und des Rosts ab. Im Feldversuch von Wales & West Utilities dauerte eine kleine Korrosionsreparatur mit Bristle Blasting 45 Personenminuten gegenüber 260 beim Sandstrahlen, überwiegend wegen Auf- und Abbau sowie Reinigung.

Welche SSPC-Norm regelt die Walzzunderentfernung?

SSPC-SP 10 / NACE No. 2 (ISO 8501-1 Sa 2½) ist der am häufigsten spezifizierte Strahlgrad: alle sichtbare Walzhaut entfernt, mit Verfärbungen auf höchstens 5 % jeder Flächeneinheit. SSPC-SP 5 / NACE No. 1 (Sa 3) lässt keine Verfärbungen zu. Für Maschinenwerkzeuge verlangt SSPC-SP 11 blankes Metall mit einem Mindestprofil von 25 µm. Bristle Blasting erfüllt SP 11 und liefert Ergebnisse vergleichbar mit SP 10.

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Quellen

  1. KTA-Tator, Industry Standards for Surface Preparation (Definitionen von SP 2, SP 3, SP 6, SP 10, SP 11 und SP 15). kta.com
  2. SSPC-SP 3, Power Tool Cleaning. Kopie der Norm
  3. SSPC-SP 11, Power Tool Cleaning to Bare Metal. Kopie der Norm
  4. R. Dankiw, D. Fosdike, Defining Mechanical Surface Preparation Standards with Power Tools, Corrosion & Prevention 2018. PDF
  5. R. J. Stango et al., Compressive Residual Stress Generated by Bristle Blasting Process with Implication upon SCC, NACE (2014). semanticscholar.org
  6. Technische Datenblätter von MontiPower: Bristle Blaster® Pneumatic, Bristle Blaster® Ultimate Electric, Bristle Blaster® Belts Steel; MontiPower, Peak Times Moments: Feldversuch von Wales & West Utilities.
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